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NEUE KIRCHENWEGE

Aktualisiert: 16. Juni

Der Alte Kirchenweg in Wollishofen ist ein unscheinbarer, etwa 200m langer geteerter Weg - die Fortsetzung der Kalchbühlstrasse bis zur Grenze zu Kilchberg, ein Fuss- und Veloweg. Auf elektronischen Karten ist er nicht immer zu finden, da es kein Gebäude mit dieser Adresse gibt.




Foto 6.1.2023 UH


Früher muss dieser Weg häufig begangen worden sein, weil Wollishofen zur Kirchgemeinde Kilchberg gehört hatte. Auch aus Adliswil und Rüschlikon musste man zu wichtigen Gottesdiensten oder kirchlichen Handlungen zur «Kirche auf dem Berg», weil es – wie in Wollishofen – nur «Filialkapellen» gab.


Kirche Kilchberg, J.H. Meyer, Kupferstich 1794, Privatbesitz



1702 jedoch gelang Wollishofen die schon früher beantragte Ablösung von der Mutterkirche, die eigene Kirche wurde innerhalb weniger Monate gebaut.

Alte Kirche Wollishofen, Foto 29.1.2023 UH


Seither gibt es keine «reformierten» Gründe mehr, von Wollishofen zur Kirche Kilchberg zu gehen oder zu fahren – der «spirituelle Heimatort» liegt näher und ist bequemer erreichbar. Ich lege jedoch gerne dar, weshalb es sich weiterhin lohnt, die Kirche Kilchberg zu besuchen, und welche «neuen Kirchenwege» Wollishofer:innen zur Verfügung haben!


Kein Tram…

Zwar fährt kein Tram von Wollishofen nach Kilchberg, obwohl es ab 1919 mehrfach entsprechende Pläne gab. Die Idee der Tramerschliessung wurde sogar erst 1948 definitiv verworfen. Details dazu sind im Neujahrsblatt Kilchberg Nr.25/1984 nachzulesen.


Ausschnitt aus Neujahrsblatt Kilchberg Nr. 25


…aber zwei Buslinien!

Seit Dezember 2022 gibt es von Wollishofen aus hingegen gleich zwei Buslinien, welche ihre Endstation bei der Kirche Kilchberg haben: Die Linie 161 fährt vom Bürkliplatz dem See entlang, und zweigt nach der Stadtgrenze rechts ab, via Hornhaldenstrasse rauf auf den Berg. Ganz neu fährt zudem die Linie 66 ab Bahnhof Enge oder Morgental - Neubühl - Stockengut ebenfalls zur Endstation «Kirche Kilchberg». Diese Fahrt gleicht einem kleinen Abenteuer: Die Quartierstrassen sind eng und die Buschauffeusen und -chauffeure müssen ihr ganzes Können zeigen, um die Fahrgäste sicher ans Ziel zu bringen.


Gleich mehrere Attraktionen warten am Ziel auf Besucherinnen und Besucher:

Die schmucke historische Kirche ist täglich von 8-17 Uhr geöffnet. In deren Vorraum befinden sich seit 1924 drei Glasfenster von Augusto Giacometti (1877-1947). Übrigens: Im Jahr 2024 wird im Kunsthaus Aarau eine Ausstellung zum Gesamtwerk Giacomettis zu sehen sein, wo «Kilchberg» auch vorkommen wird.


Eingangsbereich Kirche Kilchberg, Foto 6.1.2023 UH


Hinter der Kirche ist der idyllisch angelegte Friedhof zu finden: Auf diesem liegen bekannte Persönlichkeiten wie Thomas Mann, C.F. Meyer oder Mitglieder der Schoggi-Unternehmerfamilie Sprüngli begraben. (Hier geht es zur Friedhofsbroschüre) Ein Besuch lohnt sich aber nur schon wegen der schönen Anlage.

Im Gedicht «Requiem» von 1880 hat C.F. Meyer eine regionale Besonderheit der Kirche Kilchberg festgehalten, die er als langjähriger Einwohner von Kilchberg erlebt hatte und die bis heute gilt: Das Abend-Betzeit-Läuten erklingt nicht zu einem festen Zeitpunkt, sondern erst bei Sonnenuntergang. Es heisst deshalb in der zweiten Strophe: Noch ein Glöcklein hat geschwiegen / Auf der Höhe bis zuletzt. / Nun beginnt es sich zu wiegen, / Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!


Kirche Kilchberg und Kirchgemeindehaus, Foto 14.10.2022 UH


Ebenfalls täglich geöffnet ist das grosszügig erbaute und 1979 eingeweihte Kirchgemeindehaus an der Stockenstrasse 150, gleich neben der Bushaltestelle. Im EG ist ein gemütliches Selbstbedienungs-Kaffee eingerichtet. Im 1. OG ist das Werk eines sakralen Künstlers zu bewundern: Der Toggenburger Maler Willy Fries (1907 – 1980, nicht zu verwechseln mit dem Zürcher Maler gleichen Namens) hat mit dem grossen Wandbild Das Gewicht der Welt sein Vermächtnis geschaffen: Das Bild in Kilchberg war das letzte grosse Werk vor seinem Tod; es zeigt eine Zusammenfassung seines Schaffens.


(UH)

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