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WOLLISHOFEN IM BROCKENHAUS

Aktualisiert: 19. Apr. 2023

Entrümpeln ist (m)eine Leidenschaft – gerne helfe ich anderen dabei und bin regelmässig Warenlieferantin für Brockenhaus oder Bring- und Holtage. In beiden Fällen gibt es eine Ausnahme: Lokalhistorische Bücher und Bildbände bringe ich nicht, die hole ich!

Eines dieser ergatterten Bücher enthält «alte Fotos aus den Zürcher Seedörfern» – explizit ohne Bilder aus der Stadt Zürich. Ein genauer Blick zeigt unter dem Deckmäntelchen «Kilchberg» dennoch eines – eine eindrückliche Sicht auf Wollishofen um das Jahr 1910! Die Bildlegende im Buch sagt, es sei ein «Blick von Kilchberg».


Das ist aber falsch: Der Fotograf dieses Bildes stand wohl auf der Terrasse beim Restaurant Bürgli, welches 1.5 km von der Grenze zu Kilchberg entfernt ist! Ein aktuelles Drohnenfoto mit identischem Ausschnitt vom fast gleichen Standort beweist, dass es ein Wollishofer Bild ist und im Buch nichts zu suchen hätte.


Foto um 1910, «Rund um den Zürichsee», Orell Füssli Verlag

Wollishofen aus der Luft, Drohnenaufnahme Daniel Hänni 7.1.2023


Z = Ziegelhütte (vgl. Blog BACKSTEINE WOLLISHOFEN)

W = Schiffswerft mit den Kaminen der Dampfschiffe

K = Noch nicht gebaut: Fensterfabrik Kiefer (vgl. Blog AM BACH)

1 = Villa Zweifel, Bellariastrasse 23, Zürich-Enge

2 = Bahnhofsgebäude, heute mit davor gebautem Hochhaus

3 = Giesserei Gauss / Garage Franz – heute Grossbaustelle

4 und 5 = Diese beiden Häuser stehen immer noch!


In einem anderen Büchlein aus dem Brockenhaus ist das gleiche Areal vom See her im Jahr 1887 dargestellt: Zu sehen sind die Schiffswerft (rechts) mit Dampfschiff, etwas rechts davon der Bahnhof und links die Ziegelhütte.

Illustration um 1887 aus «Der Zürichsee» – Verlag C. Schmidt


Etwas ganz Besonderes ist das Schiff mit rauchendem Kamin im Vordergrund: Es ist kein normales Dampfschiff für Passagiere, sondern der Trajekt, eine Eisenbahnwagen-Fähre. Diese ist unterwegs zu meinem heutigen Wohnort, daher habe ich mich besonders gefreut, das Gefährt zweifelsfrei zu identifizieren!


Ab 1885 brachte die werkeigene Eisenbahnfähre der «Chemie Uetikon» (vormals Gebrüder Schnorf) deren Produkte vier Mal täglich über den See zum Bahnanschluss nach Wollishofen. Der Trajekt hatte ausgedient, als 1894 die rechtsufrige Eisenbahnlinie eröffnet wurde.

Trajektschiff der Chemiefabrik, Foto ca. 1885, Uetiker Museum


Eine zusätzliche Aufgabe erfüllte das Trajektschiff während der Seegfrörni im Winter 1891: Es diente als Eisbrecher, damit Transporte mit verschiedenen Schiffen nach Wädenswil aufrecht erhalten werden konnten.


Bild vermutlich nach 1890, Uetiker Museum

Auf obigem Bild ist der Trajekt ganz links zu erkennen. Im Gegensatz zum «ländlich anmutenden Wollishofen» zur gleichen Zeit ist die Chemische Fabrik, welche den grössten Teil des Uetiker Seeanstosses besetzt, auf diesem Bild als «Grossindustrie» dargestellt: Es ist offensichtlich, dass grosser Transportbedarf bestand!


Die Chemie Uetikon hat 2018 nach 200 Jahren Werktätigkeit ihre Tore geschlossen, auf dem Areal am See entsteht bis 2031 eine Kantonsschule. Seit 1933 ist es dank der Zürichsee Fähre Meilen-Horgen wieder möglich, grössere Gütergefährte auf Rädern direkt über den See zu transportieren. Diese Verbindung ermöglicht mir einen schnellen, direkten Arbeitsweg von Uetikon nach Kilchberg auf 2 Rädern über den See!


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