FRIEDHOF MANEGG

Aktualisiert: 8. Jan.

Wer englische Gartenlandschaften mit altem Baumbestand und gepflegten Rabatten liebt, liebt den Friedhof Manegg. Spaziergänger wundern sich oft, dass das herrliche Gartenkunstwerk noch seiner ursprünglichen Funktion dient. 1897 errichtet und mehrfach erweitert, ist er heute aber einfach beides: ein einzigartig schöner Friedhof und einzigartig schöner Park!


Die Schaffung des Friedhofs Manegg muss man im Zusammenhang mit der Vereinigung von Zürich mit einigen Vorortsgemeinden 1891 – der sog. Erste Eingemeindung Zürichs – sehen. Damals wurden die kleinen Dorffriedhöfe bei den Kirchen, in Wollishofen der Friedhof bei der alten Kirche Wollishofen, aufgegeben zugunsten einer zentralisierten grösseren Anlage am Rande der Stadt. Die Stadt wollte grösser werden, und die Friedhöfe sollten es auch. Das erste Areal des Friedhofs liegt am Ende der Thujastrasse. Man könnte sagen, die Thujastrasse führt geradewegs zum Friedhof und gibt die Achse einer axialsymmetrischen Anlage vor, die allerdings nicht streng durchgeführt wurde. Vielmehr verhinderten Terrain und Gartenphilosophie eine symmetrische barocke Konzeption, dennoch bildet die erste Etappe doch ein Halbrund, das an ein griechisches Theater erinnert. In den Sitzreihen liegen die ältesten Gräber, ursprünglich vor allem von den vornehmen Stadtfamilien genutzt. In diesem Bereich ist auch ein frühes aufwendiges Grabmal in Form eines Monopteros erhalten.


Friedhof Manegg, Monopteros beim Eingang Thujastrasse. Foto SB (24.02.2021).


Erwähnenswert finde ich auch die Friedhofskirche, von aussen ein eigenartig robuster und schmuckloser Bau – ein Steinhaus, das Steinhaus sein will. Im Innern ist die Abschluss-wand vom Bergeller Künstler Augusto Giacometti gestaltet. Zwar nicht sein bestes Werk, doch ansprechende zeitgenössische Kunst, die von Zürichs Stadtoberen damals gefördert wurde.


Friedhof Manegg, Friedhofskirche. Foto SB (24.02.2021).


Berühmte Bewohner


Friedhöfe werden touristisch oft nach ihren prominenten Gästen klassiert. Auch in dieser Hinsicht kann der Friedhof Manegg durchaus mithalten. Zwar wissen nicht viele, dass Alfred Escher, der Zürcher Eisenbahn- und Industriekönig, der auch in der Politik fast alle wichtigen Ämter von Kanton und dem 1848 neu errichteten Bundesstaat bekleidete, heute an der Thujastrasse zuhause ist: Es ist ja auch erklärungsbedürftig, dass ein 1882 verstorbener Ehrenmann in einem 1897 eröffneten Friedhof liegt.


Grab von Alfred Escher im Friedhof Manegg. Foto SB (24.02.2021)


Aus Wollishofer Sicht ebenso bedeutend ist das Familiengrab der Asper von der Asp. Dieser Familie gehörte nicht nur der berühmte Zürcher Renaissance-Maler Hans Asper (1499-1571) an, sondern auch der letzte Wollishofer Gemeindepräsident, der unglückliche Heinrich Asper (1833-1901) – unglücklich, weil er es nicht verhindern konnte, dass Wollishofen in der Ersten Eingemeindung gegen seinen Willen zur Stadt kam. Dieses Grab besteht aus einem schwarzen Obelisken und ist herrlich platziert zwischen zwei sehr alten Nadelbäumen – wohl Lawson Scheinzypressen. Das Grabmal liegt gleich neben dem kleinen Eingang von der Rainstrasse her. Wer genau im Grab liegt, ist heute nicht leicht zu eruieren, sind doch die Namen auf der am Boden liegenden Grabplatte nur schwer entzifferbar.


Grab der Familie Asper im Friedhof Manegg. Foto SB (24.02.2021)


In Wikipedia sind noch viele weitere berühmte Wollishofer oder sonstige Zürcherinnen verzeichnet, die auf dem Friedhof Manegg bestattet sind. Hier seien nur wenige herausgegriffen, so etwa als Vertreter der Politik die beiden Stadträte Landolt und Kaufmann – Emil Landolt (1895-1995) als langjähriger FDP-Stadtpräsident, Jürg Kaufmann (1930-2008) wurde von der SP für seine erste Wahl portiert, zerstritt sich dann aber mit seiner Partei und wurde für seine letzte Amtszeit als unabhängiger Kandidat gewählt; er wohnte in Wollishofen (Neubühl). Als Vertreter der Wissenschaft nenne ich Erwin Heinz Ackerknecht, ein international reputierter Medizinhistoriker, der auch an der Uni Zürich lehrte, sowie M. Oskar Bircher-Benner, der Erfinder des Birchermüeslis, und für die Kunst die Texilkünstlerin Lissy Funk (mit ihrem Mann, dem Maler Adolf Funk).* Aus Wollishofer Sicht ist auch das Grabmal der Familie Sasella-Keller wichtig, war das Ehepaar Betty und Giovanni Sasella-Keller doch Stifter des Ortsmuseums Wollishofen (vgl. die beiden Blogs über das Ortsmuseum).


Im Friedhof Manegg liegen aber auch noch Bundesräte, Regierungsräte und diverse Kulturschaffende im Manegg – näheres eben in der Wikipedia.



(SB)

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* Unser Nachbar Markus vermisst in meiner Aufzählung den Hinweis auf den Schriftsteller Friedrich Glauser, der einen Grabstein aus Holz (!) bekommen hat. Das sei hiermit nachgeholt.


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