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MAERKI-BAPST, MÖBEL

Aktualisiert: 4. Jan. 2023

Das Möbelgeschäft Gustav Maerki, im Handelsregister seit 1920, später als Firma Maerki-Bapst, domiziliert in Zürich, war während Jahrzehnten eine erste Adresse für guten Geschmack, zunächst für Polstermöbel und Möbel in Massivholz, später auch für modische Inneneinrichtungen aller Art. Gründer war Gustav Maerki, geb. 1892, Kaufmann, von Binningen, wohnhaft seit den 1920er Jahren an der Rainstrasse 6, einem noch nicht so alten, aber alt-feudalen Haus. Die NZZ berichtete anlässlich der Trauerfeier 1959 jedenfalls: «In seinem Heim in Wollishofen pflegte er sorgfältig ein glückliches Familienleben.» Rainstrasse 6 wurde Ende der 1950er Jahre abgerissen.*

Seine Ehegattin Albertina überlebte ihn zwanzig Jahre, sie führte das Geschäft mit ihren Söhnen weiter als Firma Maerki-Bapst.


Logo der Firma um 1955.


Gustav Maerki war offensichtlich ein Freund des neuen Bauens – obwohl sein Geschäft gemäss NZZ «über lange Zeit als renommierte Adresse für traditionelle Inneneinrichtungen galt» (NZZ 7.3.1992). Sein langjähriges letztes Geschäftsdomizil richtete er 1949 in einem Neubau des bekannten Zürcher Architekten Karl Egender, dem sog. «Sihlgarten», dem seinerzeitigen Weltwoche-Haus an der Sihlporte, ein. Das war sowohl stil- als auch trend- und sogar standesgemäss.


Geschäftshaus Sihlgarten. Im Parterre Firma Maerki-Bapst, Talacker 41. 1975.

Fotograf Wolf Benders Erben. Baugeschichtliches Archiv Zürich.


Leider ist die Geschichte der Firma kaum erforscht. Weder einschlägige Museen und Sammlungen noch Standardwerke zur Design- und Möbelgeschichte der Schweiz nahmen und nehmen gross Notiz von Maerki bzw. Maerki-Bapst; immerhin gestaltete die Firma zahlreiche Schweizer Wohnstuben und Büros, sodass ihre Wirkung auf den Schweizer Designkonsum nicht zu unterschätzen ist. Und: Wer zeitgenössische Wohn- und Möbelzeitschriften durchblättert, findet immer wieder schöne und instruktive Inserate, die zeigen, wie sich die Firma positionierte, welche Kundschaft sie ansprechen wollte und wie sie mit der Modeentwicklung Schritt hielt. Viele der verkauften Produkte produzierte Maerki bzw. Maerki-Bapst auch selbst, so insbesondere Möbel und Einzelstücke in der eigenen Schreinerei, aber auch Pionierprodukte im Bereich der Spannteppiche oder der Bettmatratzen. Ein eher traditionell anmutendes Möbelstück**...

Firma Marki-Bapst. Möbel in Kirschbaumholz, um 1960.


...aber eben auch moderne Produkte, wie die eingespannten Bücherregale von «stabü», die auch als Raumtrenner einsetzbar waren.

Inserat Maerki-Bapst in Bauen+Wohnen 1955. (e-periodica).


1992 war dann aber unverhofft Schluss mit der Firma Maerki-Bapst. Die NZZ schrieb von «unüberwindbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten» und von einem «extremen wirtschaftlichen Härtefall» – ohne genauere Kenntnis der Vorfälle kann daraus nichts Bestimmtes hergeleitet werden (NZZ 18.3. und 5.5.1992). Ein Liquidator brachte die letzten Möbelfabrikate unter die Leute, dann wurde der Schlussstrich gezogen. Sehr schade!



(SB)

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* NZZ vom 29. Oktober 1959. Das Haus Rainstrasse 6 gehört zum Altbestand der Bauten in Wollishofen (vor 1812); der geplante Blog «Rainstrasse» wird weitere Angaben zu dessen Geschichte vortragen.

** «Schöner, dreitüriger Holzschrank der 1950er-Jahre. Im Schrankinneren ausgestattet mit Rückwandspiegel, Messingstange und Tablaren». Von der Firma Bogen33 ins Internet gestellt, da gesehen am 8.9.2021.


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