«UFF ASP» – UND DIE ASPER

Aktualisiert: 11. Mai

Die Familie Asper wohnt seit Jahrhunderten in Wollishofen, die meisten auf dem Hof «Asp» oder «Auf Asp» – heute an der Scheideggstrasse gelegen –, wo ja auch der Familienname herkommt. Das Geschlecht der Asper ist fest mit Wollishofen verbunden, schon früh gibt es aber auch Asper, die das Zürcher Stadtbürgerrecht besitzen. Zu diesem Zweig ist der berühmte Maler Hans Asper, 1499-1571, zu rechnen. Er war als Zürcher Bürger auch Mitglied der Meisenzunft (zu der die Maler gehörten), obwohl sein Vater in der Constaffel-Gesellschaft inkorporiert war. Hans Asper war ein typischer Renaissance-Maler, er interessierte sich für die Menschen, war dadurch ein gefragter Porträtist, er erhielt aber auch Aufträge der Stadt. Trotz dieser vorteilhaften Ausgangssituation konnte er nur schlecht von seinem Handwerk, seiner Kunst, leben. Er erhielt deshalb 1567 eine sogenannte Lebensrente – ein rechter öffentlicher Lohn. In Erinnerung an ihn erhielt das Oberstufenschulhaus von Wollishofen anfangs des 20. Jahrhunderts den Namen «Schulhaus Hans Asper»; die Anlage wurde 1912 vom Architekten Friedrich Fissler erbaut.


Das künstlerische Werk von Hans Asper, das auf uns gekommen ist, ist überschaubar. Er sind vor allem Porträtbilder – für den Renaissance-Künstler stand der Mensch im Mittelpunkt des Interesses. Die meisten Bilder Aspers sind heute in Museen. Mir gefällt das Bildnis von Anna Frölich-Rahn sehr gut. Zusammen mit dem Bildnis ihres Mannes, des Zürcher Söldnerführers Wilhelm Frölich, wird das schwerreiche Paar in seiner ganzen Pracht, aber auch in seiner Individualität und seinem Lebensgefühl dargestellt. Natürlich kontrastiert der zur Schau gestellte Luxus mit den strengen Sittenmandaten, die der Zürcher Rat für Stadt und Land erlassen hatte, die eben genau dies verhindern wollten. Der Schönheit des Werks tut diese sozialgeschichtliche Widersprüchlichkeit aber keinen Abbruch.


Hans Asper, um 1499–1571, Bildnis der Anna Frölich-Rahn, 1549, Tempera und Öl auf Holz, 74 x 64 cm, Kunstmuseum Solothurn, Inv.-Nr. A 248, Foto: SIK-ISEA, Zürich



Familie Asper in Wollishofen


In Wollishofen liegen die Anfänge des Geschlechts im Dunkeln. Obwohl der Familienname von einem Flurnamen «Asp» oder «uff Asp» herstammen dürfte, ist der Familienname vor dem Flur- bzw. Hofnamen verbrieft; «Asper» als Familienname ist in den Urkunden des Staatsarchivs nämlich bereits im 14. Jahrhundert mehrfach bezeugt. Dabei waren schon die frühen Asper teils Stadtbürger, teils dürften sie Wollishofer gewesen sein (teils sogar beides). Diese Asper lebten also zu einem Zeitpunkt, als Wollishofen noch nicht zur Stadt gehörte, sondern adelige Herrschaft war; an die Stadt Zürich ging Wollishofen erst 1423. Aus dem gleichen Jahr, 1423, wissen wir dank einer Urkunde (C II 18, Nr. 753), dass es ein Gehöft «uff Aspen» gab, das an einen Heinrich Sanger, Schneider, verkauft wurde. «Auf Aspen» war also ein Flurname, auf dem es mindestens einen Hof, eventuell auch mehrere gab.


Hof Auf Asp (obere Asp). Fotograf E. Steimle. Um 1925. Ortsmuseum.*


Aus dem gleichen Dokument erfahren wir übrigens den Namen des Vogts von Wollishofen im Jahre 1423: Es war «Cuonrat Akli, Vogt zu Wolleshofen». Ob Akli der erste Obervogt der Stadt für das eben erst erworbene Wollishofen oder der Untervogt ist, bleibt offen.


Die Familie Asper war fruchtbar und entsprechend verzweigt. Viele lebten in der Stadt Zürich, viele blieben auch in Wollishofen. Als Pfarrer Johannes Schmutz 1746 nach Wollishofen kam, notierte er seinen ersten Kontakt mit der dörflichen Ehrbarkeit, den «Vorgesetzten» Wollishofens, der Untervogt, es war ein Asper, habe ihm zur Wahl als Pfarrer im Namen aller gratuliert. Zu den Vorgesetzten zählte der Pfarrer damals: «Vogt Asper, und sein Bruder der Seckelmeister Asper, Hauptmann und Kirchenpfleger Weber, Kirchmeier Asper, Kirchmeier und Geschworner Bleuler sowie der Schulmeister Baumann». In den Augen des Pfarrers gehörten also sechs Personen zu den Vorgesetzten der Gemeinde, von diesen sechs standen deren drei Familien mit Namen Asper vor (aus dem Tagebuch von Pfarrer Schmutz, heute im Stadtarchiv Zürich).


Auch um 1800 waren die Asper noch sehr aktiv. Ein Kaspar Asper, der in der Hinteren Mutschelle gewohnt haben dürfte, war vor 1798 Armenpfleger, und wurde – trotz Revolution – 1798 in seinem Amt bestätigt. Er war auch Gründungsmitglied der Bürgerlichen Abendgesellschaft (wie die Lesegesellschaft ursprünglich hiess). Bei seinem Tod 1812 wurde im Protokoll der Gesellschaft vermerkt, er sei «vor der Revolution, als idem ein Mitglied der Gemeindekammer während derselben und idem nach der Revolution» Armenpfleger gewesen.


«Sie hatten etwas Bäurisch-Herrisches in ihrem Wesen.»

Ein Vertreter der Familie Asper war auch als Gemeindepräsident verantwortlich, als es darum ging, Wollishofen mit der Stadt Zürich zu «verschmelzen»: Heinrich Asper, 1833-1903, war der letzte Präsident der selbständigen Gemeinde Wollishofen (vgl. Blog «Schicksalsjahr 1891»). Während rund zehn Jahren war Asper später noch Kantonsrat; er starb im Amt. Er war von Freund und Feind gleich geachtet, weil er noch Werte des «alten bäuerlichen Zürichs» bzw, des «alten bäuerlichen Wollishofens» hochhielt. In einem Nachruf in der Chronik der Stadt Zürich (4. April 1903) wurde das so formuliert:


Heinrich Asper. Fotograf Ph. Link.

Zürcher Chronik (4. April 1903)



«Mit dem am 25. März verstorbenen Herrn alt Gemeindepräsident Heinrich Asper in Wollishofen ist einer der letzten Repräsentanten der in unmittelbarer Nähe der Stadt altangesessenen Bauersame dahingegangen, die trotz der ihr naheliegenden städtischen Verhältnisse zäh an der alten bäuerlichen Art hing, aber, da sie sich dem Einfluß der Stadt doch nicht ganz entziehen konnte, etwas Bäurisch-Herrisches in ihrem Wesen hatte. Beinahe jede unserer Ausgemeinden weist Männer aus bestimmten alten Geschlechtern auf, die in ländlicher Kraft und Zähigkeit, aber mit freierem Blicke als die Dorfmatadoren auf dem richtigen Bauernlande, im Gemeinderegiment ihren Mann stellen und Gutes für ihre Umgebung anstreben. Ein solcher Mann war der Besitzer des „Asp", des wunderschön sich über dem Hügel zwischen Wollishofen und Enge ausdehnenden Gutes, der verstorbene „Herr Präsident", vor dem dort draußen alle mit einer mit Stolz gemischten Verehrung den Hut zogen.»


Die wohl letzte echte Wollishofer Asperin, die noch im Quartier wohnte, war «Fräulein Anna Asper»**, die mir Pfarrer Erich Hollenstein einst vorstellte. Sie war bekannt für ihre Tierliebe – sie hielt lange Zeit einen Papageien, und auch ein Affe wohnte bei ihr; Anna vermachte den Hof Auf Asp testamentarisch der Stadt Zürich, und sie war auch Besitzerin eines Mehrfamilienhauses an der Renggerstrasse – eine christliche Vermieterin, die die Wohnungen des Hauses ihren Mietern zu vernünftigen Konditionen verkaufte.


(SB)


 

* Emil Stauber verwendet das Bild auf Tafel 7 ebenfalls und datiert es mit «um 1926».

** Anna Asper, 1910-1985, Nachlass im Stadtarchiv Zürich VII 189.

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