RUMPUMP UND BÜRGLI

Aktualisiert: 12. Mai

«Rumpump» ist ein seltsamer Flurname.*


Heute erinnert der Rumpump-Steig sowie die alte Liegenschaft Rumpump an diese Wollishofer Rarität. Die Liegenschaft Rumpump gilt als erstes eigentliches Schulhaus Wollishofens. In frühester Zeit hielt man Schule im Gemeinde- oder Gesellenhaus an der alten Kalchbühlstrasse, das aber in erster Linie Wirtshaus war. Der legendäre Wollishofer Pfarrer Schmutz kritisierte diesen Umstand und trieb den Bau eines eigenständigen Schulhauses voran. Er erreichte einen positiven Entscheid des Zürcher Rates für ein neues, d.h. eigenständiges Schulhaus im Gebiet Rumpump, und er finanzierte den Bau auch zu einem Teil. Endlich erklärte sich auch Wollishofen bereit, das (von vielen als unnötig betrachtete) Schulhaus zu errichten; Einweihung war am 1. Dezember 1749. Seit jenem Tag hielt man Schule im Haus Rumpump, bis 1827 ein zweites, grösseres, eigentliches Schulhaus (in der Kurve der heutigen Kilchbergstrasse gelegen) eröffnet werden konnte.


Zürich II Wollishofen (Gebiet Rumpump/Bachstrasse). H.H.Z.1.

Sammlung MZ. Gelaufen am 5. August 1921


Der Weiler Rumpump ist durch Kantonsstrassen, Eisenbahn und Unterführung stark beschädigt worden. Dennoch: Wer heute den Rumpumpsteig hinauf- und hinuntersteigt, kann sich das gewerbliche Alt-Wollishofen noch relativ gut vorstellen. Dazu trägt nicht nur die hundertjährige Firma Fruet bei, sondern auch die erhaltene Bausubstanz, und die Einmündung in die Kilchbergstrasse und – sozusagen als Krönung des Aufstiegs – die trauten Winkel im Quartier, das um die alte Kirche im 18. und 19. Jahrhundert entstanden ist, mit alten Schulhäusern und dem Bürgli.


Das Wollishofer Bürgli muss erhalten bleiben!


Unter diesem Titel schrieben die Neuen Zürcher Nachrichten am 7.7.1955 über die Gefahr, die dem alten Dorfkern drohten – insbesondere das Restaurant «Zum Bürgli» war verkauft worden, um einen Neubau zu ermöglichen. Die NZN schrieb: «Das ums Jahr 1780 erbaute schöne Wollishofer Haus «Zum Bürgli» mit dem gleichnamigen Restaurant an der Kilchbergstrasse 15 in Zürich-Wollishofen ist im Gegensatz zum «Bürgli» in Zürich-Enge weder historisch noch kulturgeschichtlich von besonderer Bedeutung. Trotzdem bildet es schon seit langem einen kulturellen und geselligen Mittelpunkt des sehr regen Quartier-lebens in Wollishofen, so dass die Erhaltung des Wollishofer «Bürglis» wünschenswert ist.»


In einer überparteilichen Anregung forderten deshalb alle Wollishofer Gemeinderäte im Frühjahr 1955 den «Erlass einer besonderen Bauordnung zur Erhaltung des alten Dorfkerns von Wollishofen». Zum Kern werden gerechnet die alte Kirche Wollishofen, das frühere, zu einer Kinderkrippe umgebaute Schulhaus, das ehemalige erste Schulhaus am Rumpumpsteig mit dem früheren Restaurant «Rumpumpstube», das Pfarrhaus und das idyllische «Bürgli» mit der prächtigen Linde, die am 1. Mai 1851 anlässlich der 500-Jahr-Feier des Eintritts Zürichs in den Bund der Eidgenossen gepflanzt wurde. – Die Anregung hatte insofern Erfolg, als es der Stadt gelang, vom neuen (neubauwilligen) Eigentümer das Bürgli zurückzukaufen und damit seinen Erhalt zu sichern.


Restaurant Bürgli. Butz und Fleursheimer Zürich.

Sammlung MZ. Gelaufen am 17. April 1903.


Diese heimatschützerischen Anstrengungen, die spätestens Mitte der 1950er Jahre entstanden, waren die Anfänge eines behutsameren Umgangs mit alter Bausubstanz, mit Zeugen aus bäuerlicher und gewerblicher Zeit der Vormoderne. Diese Anfänge haben allerdings die grosse Verlustperiode alter Bausubstanz Ende der 1950er und der 1960er Jahre nicht verhindert. In jenen Jahren verlor Wollishofen wichtige Bauzeugen, so den alten Widumhof an der Rainstrasse 15 (1957), den «Hirschen» an der Seestrasse 346 (1959), das Lavater- oder Weberhaus an der alten Kalchbühlstrasse (1961) oder dann sogar noch Anfang der 1970er Jahre das alte Gemeindehaus (1972). Auch später entstand mehrfach Widerstand, der aber selten zur Rettung oder Schutz einzelner älterer Häuser und Naturgebiete führte!


Auch Baumeisterhäuser gehören geschützt!


Umso bedauerlicher ist es, dass nun just neben der alten Kirche Wollishofen die Gruppe der Baumeisterhäuser (Simmlersteig 16-18) bedroht wird. Baumeisterhäuser gehören zum ausgehenden 19. Jahrhundert in Wollishofen! Das Haus Simmlersteig 16 ist akut bedroht und bereits mit Baugespann versehen!


Ein schönes Haus soll weichen? Simmlersteig 16. Foto SB (29.10.2021).



(SB)

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* Das Idiotikon hilft nicht gross weiter. R. wird mit «Getümmel» übersetzt. Vielleicht das «Gerassel» auf einem gepflasterten Weg? 1564 soll der Name erstmals belegt sein.

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