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WOLLISHOFER QUAIANLAGE

Aktualisiert: 19. März

Wollishofen liegt am Zürichsee. Doch anders als im Seefeld oder in der Enge fehlen hier grosszügige Quaianlagen. Wie es dazu gekommen ist.


Über das Wollishofer Seeufer haben wir in früheren Beiträgen schon einiges erfahren. Unlängst hat der Zürcher Stadtrat eine Entscheidung getroffen, die mithelfen könnte, die Lücke in der Ufergestaltung zwischen Werft-Anlage und Roter Fabrik menschenfreundlich und naturnah umzugestalten. Wie es schon längst einmal geplant war!! Das Seeufer von Wollishofen war nämlich einst – insbesondere nach der erfolgreichen Durchführung der Landesausstellung 1939 – in ein Projekt eingebunden, das das ganze Stadtzürcher Seeufer als Fortsetzung der Bürkli-Anlage – eben als Quaianlage – neu gestaltet hätte. Vieles davon wurde gebaut, nicht aber der Wollishofer Teil. Davon wollen wir erzählen.


Quaianlage Wollishofen (Teil Süd). «Endgültiger Plan» im Stadtarchiv. 1946.


Was mir am besten gefallen hätte: Das leicht geschwungene Hafenbecken beim Horn von Wollishofen, gleich an der Stadtgrenze zu Kilchberg! Ein kleiner Hafen, natürlich mit farbigen Fischerbooten, wäre für mich Beweis für ein echtes Seeerlebnis, für mediterranes Lebensgefühl. Ein kleiner Fischerhafen mit ein bis zwei kleinen Bistros und Bänkli für einen romantischen Seeblick: das non plus ultra eines kreativen und menschenfreundlichen Umbaus unseres Seeufers. Das würde auch helfen, einen Teil des «Fremdelns», das ich zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern Wollishofens mit ihrem See manchmal spüre, zu beseitigen. Auch wenn ich weiss, dass die im Plan gezeichnete Bucht eine veritable Schilfbucht hätte werden wollen, kein urban-marines Lebensgefühl, sondern Heimat für allerlei Getier, von Vögeln über Kröten bis weiss nicht was!!


Der gezeigte Plan aus dem Jahre 1946 war eine Vision für das Wollishofer Seeufer, er wurde vom Stadtrat als solcher genehmigt und war und blieb bis in die 1960er Jahre als Leitbild für die Verwaltung gültig. Verfasst wurde es vom Landschaftsarchitekten Gustav Ammann im Team mit den prominenten Architekten Max Ernst Haefeli, Leopold Boedeker, Moritz Hauser und G. Bachmann. Ein grosszügiger Wurf, ganz im Geist der Zeit! Das Ufer wäre durch Aufschüttung stark erweitert worden. Wäre, wäre, denn die Vision blieb in den Wolken, sie kam nicht auf Niveau 406 Meter über Meer. Sie wurde nie realisiert.


Quaianlage Wollishofen (Teil Nord). Endgültiger Plan» im Stadtarchiv. 1946.


Die Vision war so grosszügig, dass auch einige hübsche Erinnerungen und Denkmäler weggespült worden wären, die uns heute am Herzen liegen. So hätte die Rote Fabrik dran glauben müssen, ebenso die Wöschi und die Chemiefabrik Hamol: alles wäre der Grünfläche gewichen. Geblieben wäre indessen die Werft (deren Verwaltung sich äusserst klar gegen die Pläne gestellt hatte), und auch die Kibag hätte ihren Betrieb weiterführen können.


Das Wollishofer Quai als Fortsetzung von Bürkli-Anlagen und Arboretum


Die Quai-Anlage um den Bürkliplatz herum wurde 1875 beschlossen und bis 1887 realisiert. Sie betraf – vor der Eingemeindung 1891 – die Stadt sowie die Gemeinden Enge und Riesbach. Wollishofen war zwar in die Planung und ins Quaiprojekt einbezogen, es wurde aber aus finanziellen Gründen von einer Realisierung abgesehen. Auch später gab es weitere hochfliegende Pläne – auch für Wollishofen. Sie liegen heute im Stadtarchiv; keine wurden auch nur ansatzweise verwirklicht.


Ein besonderes Projekt wäre es gewesen, einen Wollishofer Zoo am See zu verwirklichen – Jahre vor der baulichen Umsetzung des heuten Zoos auf dem Zürichberg. Diese Idee wurde vor allem vom Architekten Heinrich Ernst (1846-1916) vertreten. Er war d e r Architekt seiner Zeit, des urbanen Zürcher Historismus. Mit seinen technischen, aber auch mit seinen ökonomischen Erfindungen war er ein Pionier grosszügigen Bauens im Zürich seiner Zeit. Er wollte grosse Kultur bauen, so etwa entwarf er Pläne für ein Konzerthaus («Tonhalle»), ein «Galleriegebäude» – also ein Kunsthaus – sowie ein grosses Theater: alle diese Pläne waren 1890 fürs Publikum im Helmhaus ausgestellt. Gebaut hat er dann vor allem das Geschäftshaus «Metropol» und einzelne Prachtshäuser am General-Guisan-Quai, damals Alpen-Quai, so vor allem das «Rote Schloss».


Im September 1895 machte Ernst einen aufsehenerregenden Vorschlag für einen «zoologischen Garten» zwischen dem Bellevoir-Park und der Wollishofer Schiffswerft. Ernst gab Ende 1895 sogar ein diesbezügliches Konzessionsgesuch beim Stadtrat ein, das aber keinen positiven Entscheid bewirkte. In der Zeitung Grütlianer vom 27.7.1897 unkte ein nicht namentlich zeichnender Kommentator, der Tiergarten sei ins Wasser gefallen. Er schrieb: «Diese [die Quaibrücke] baute ich schon im Geiste, als Architekt Ernst seinen Tiergarten, der freilich als Vorbedingung dazu gehört, in den Wollishofer See gründete. Leider fiel er (der Tiergarten) ins Wasser, bevor er drin war, denn der Belvoirparkverwalter und weiland Rößlitramdirektor Meyer-Frevler fürchtete, daß nach Erstellung des Tiergartens das Belvoir an Besuchern verlöre!»


«Wollishofen blieb das Stiefkind des Zürcher Quai-Projektes», schreibt Daniel Kurz in einer demnächst erscheinenden kleinen historischen Schrift über das Wollishofer Seeufer, in die ich netterweise Einblick nehmen konnte.* Zwar wurden auch in Wollishofen grosse Teile des Seeufers in den See hinaus verschoben; die Aufschüttungen dienten aber lange Zeit nicht der Anlegung von Quai-Anlagen, sondern gewerblich-industriellen Nutzungen: die Rote Fabrik, die Kiefer-Fensterfabrik und die King'sche Maschinenfabrik lassen grüssen!


Wollen wir hoffen, dass der neueste Anlauf des Stadtrates für eine gute Ufergestaltung ein erfolgreicheres Ende nehme als die grossen Pläne für eine Quaianlage zu mehreren Malen, vor hundert und vor über 70 Jahren! Den Wollishoferinnen und Wollishofern und der ganzen Stadt wäre es zu wünschen!



 

* Die geplante Schrift trägt den Titel: Wollishofen ist anders. Die Veröffentlichung ist bald zu erwarten.



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